Autor Thema: Rohfutter für Katzen selbermachen - Rezepte  (Gelesen 14336 mal)

Anonym

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Rohfutter für Katzen selbermachen - Rezepte
« am: 01. Juli 2009, 18:30:38 »

Wer das Thema Gesundheitsvorsorge: Die Wahrheit über Trockenfutter hier im Forum gelesen oder sich bereits anderweitig über die Rohfütterung von Katzen informiert hat, möchte vielleicht einmal selbst ausprobieren, was es damit auf sich hat. Deshalb stellen wir hier zwei bewährte Rezepte vor, mit denen man nichts falsch machen kann - vorausgesetzt man hält sich genau an die Angaben.

Zunächst möchten wir jedoch kurz auf einige spezielle Ernährungsansprüche der Katze eingehen, um zu verdeutlichen, dass man nicht einfach "intuitiv" an die Herstellung von selbstgemachtem Katzenfutter herangehen kann.

Vor etwa 35 Millionen Jahren haben sich die Evolutionslinien von Hund und Katze getrennt. Die Katzenähnlichen (Feloidea) haben sich in Folge zu derart erfolgreichen Beutegreifern entwickelt, das es für sie nicht erforderlich war, andere Nahrung als Beutetiere verwerten zu können. Doch der Erfolg hat auch hier seine Schattenseiten, die Katze ist nun nämlich auf Nahrungsbestandteile angewiesen, die sich ausschliesslich in tierischem Gewebe finden. Wir müssen bei der Zusammenstellung der Mahlzeiten daher folgendes beachten:

Hoher Proteinbedarf
Taurin muss in der Nahrung enthalten sein
Arachidonsäure muss in der Nahrung enthalten sein
Vitamin A muss in der Nahrung enthalten sein, die Vorstufe Beta-Carotin genügt nicht
Arginin in ausreichender Menge muss in der Nahrung enthalten sein
Nikotinsäure muss in der Nahrung enthalten sein

All dies und vieles mehr ist in den folgenden Rezepten, die an die Rezepte von Feline Future bzw. die im Buch von Michelle Bernard vorgestellten Rezepte angelehnt sind, berücksichtigt.


Rezept 1 - Grundbestandteil: Fleisch mit Knochen bzw. ganze Tiere

5 kg Fleisch mit Knochen
1 kg Herz
500 g Leber

10 Eigelb
10 Teelöffel Psyllium-Schalen
5 Teelöffel Kelp
5 Teelöffel Dulse
10 ml Lachsöl
2000 mg Vitamin E
2,5 Tabletten "Vitamin B 100"
1200 ml Wasser

Fleisch mit Knochen in Stücke zerlegen, die in den Fleischwolf passen, und wolfen. Herz und Leber ebenfalls durchwolfen.

Nun die Mischung für die Nahrungsergänzungsstoffe herstellen. Wasser, Eigelb, Psyllium, Kelp, Dulse, Lachsöl, Vitamin E, Vitamin B vermischen und einige Minuten quellen lassen. So ergibt sich eine sämige Konsistenz der Mischung. Anschliessend sorgfältig mit dem durchgewolften Fleisch vermengen. Das fertige Futter in Portionsbeutel füllen und einfrieren.

Anmerkung 1:
Geeignet für dieses Rezept sind z.B. Putenschenkel (erfordern einen kräftigen Fleischwolf), Hühner, Kaninchen. Ideal wäre es, die verschiedenen Fleischsorten abwechselnd zu verfüttern, z.B. morgens Huhn, mittags Kaninchen, abends Pute. Es ist nämlich so, dass zusätzlich noch beachtet werden sollte, dass idealerweise die Kalorienzufuhr jeweils zur Hälfte über Proteine und Fette erfolgt. Huhn ist da eher auf der fetten Seite (kann aber korrigiert werden, indem man einen Teil der Haut weglässt), Kaninchen ist eher zu mager.

Anmerkung 2:
Das Verhältnis von Fleisch zu Knochen muss stimmen, denn sonst stimmt das Ca/P-Verhältnis nicht (Calcium/Phosphor). Daher sind sogenannte Karkassen, die es sehr günstig zu kaufen gibt, für unsere Zwecke leider ungeeignet.


Rezept 2 - Grundbestandteil: Fleisch ohne Knochen

5 kg Fleisch
1,5 kg Herz
750 g Leber

200 g Knochenmehl
14 Eigelb
15 Teelöffel Psyllium-Schalen
7 Teelöffel Kelp
7 Teelöffel Dulse
15 ml Lachsöl
3000 mg Vitamin E
3,5 Tabletten "Vitamin B 100"
1600 ml Wasser

Fleisch, Herz und Leber wolfen.

Wie beim ersten Rezept beschrieben die Mischung für die Nahrungsergänzungsstoffe herstellen, also Wasser, Knochenmehl, Eigelb, Psyllium, Kelp, Dulse, Lachsöl, Vitamin E, Vitamin B vermischen und einige Minuten quellen lassen. So ergibt sich eine sämige Konsistenz der Mischung. Anschliessend sorgfältig mit dem durchgewolften Fleisch vermengen. Das fertige Futter in Portionsbeutel füllen und einfrieren.

Anmerkung 1:
Hier ist jede Fleischsorte geeignet, die Protein und Fett im Gewichtsverhältnis 2/1 enthält, also Kalorienverhältnis 1/1. Unsere Auswahl vergrössert sich jedoch, da wir zu magerem Fleisch ja einfach die entsprechende Menge Fett (in Form von Gänseschmalz) hinzugeben können.

Anmerkung 2:
Schweinefleisch ist für die Rohfütterung ungeeignet aufgrund des möglicherweise enthaltenen Aujetzky-Virus. Eine Infektion wäre für Katzen tödlich.

So, und nun viel Spass bei der Selbstzubereitung von Katzenfutter. Es ist keine Hexerei, wird schnell zur Routine, und die Katzen danken es mit guter Gesundheit und Lebensfreude.

Zum Schluss kommen wir jedoch nicht umhin, noch eine Warnung auszusprechen. Die angegebenen Rezepte haben sich als Alleinfuttermittel bewährt sowohl bei sehr alten Katzen (20 Jahre) als auch bei ganz jungen (4 Wochen, Findelkater Timmy, das Forumsmaskottchen). Das setzt jedoch voraus, dass man sich genau an die Rezepte hält. Es geht z.B. nicht, einfach doppelt soviel Leber zu verwenden, wenn gerade kein Herz erhältlich ist usw. Eine solche Vorgehensweise kann zu schweren Mangelerscheinungen oder auch Überversorgung mit bestimmten Vitaminen und Mineralien führen. Daher: Falls irgendwelche Fragen oder Unklarheiten bestehen, lieber im Forum nachfragen, bevor man etwas falsch macht.


Wenn euch diese Info interessiert hat und ihr auch über andere Themen diskutieren möchtet, meldet euch doch bitte im Forum an. Wir freuen uns auf einen regen Austausch!

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« Letzte Änderung: 13. August 2009, 10:13:03 von Thea »