Autor Thema: Taurin  (Gelesen 12188 mal)

Anonym

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Taurin
« am: 03. Februar 2011, 19:01:25 »
Hier ist die Übersetzung einer amerikanischen hp mit freundlicher Genehmigung der Übersetzerin Jeanette,  danke.

Ich habe mal vor einigen Jahren einen interessanten Beitrag einer Tierschützerin übersetzt, den diese in der amerikanischen CRF-Liste geschrieben hatte.

Hier ist Michelles Bericht zu Taurin:

Michelle Akers/Siamese Rescue Northwest, WA/USA , 9. Mai 2003
http://www.siameserescue.org

Taurin-Supplementierung


Ich schreibe dies jetzt nachdem ich gründliche Recherchen über Taurin
angestellt habe. Der Anlaß war meine Katze Sissy, die eine
Cardiomyopathie hat.
Was ich dabei über Taurin herausgefunden habe ist, daß zusätzliche
Tauringaben den meisten, wenn nicht allen Katzen, gut tun würde.

*****************************

Wir wissen heute alle, daß ein Taurinmangel bei Katzen Herzkrankheiten
und Blindheit hervorruft, genauso wie ein Vitamin C-Mangel bei
Menschen Skorbut hervorruft. Aber niemand behauptet heutzutage, daß
Vitamin C-Gaben, die gerade mal so hoch sind, um Skorbut zu vermeiden,
"ausreichend" sind.

Es scheint ausreichend Beweise dafür zu geben, daß viele -
wahrscheinlich die meisten - Katzen davon profitieren würden, wenn in
ihrem Futter mehr Taurin enthalten wäre als das notwendige Minimum.
Sogar in Premiumfuttersorten ist nur das Minimum enthalten. Es wäre
sogar möglich, daß eine breite Palette chronischer Krankheiten,
ernsthafter oder weniger ernsthafter Natur, SEHR gebessert werden
könnten mit mehr Taurin.

Nach meinen Recherchen ist extra Taurin sogar besonders zu empfehlen
für Katzen, die unter irgendeiner Art von Stress stehen, gegen
irgendwelche Krankheiten ankämpfen (chronisch oder auch nicht) und vor
und nach Operationen.

Das Gute ist, Taurin ist leicht erhältlich, nicht teuer und fast alle
Katzen werden es problemlos mitfressen wenn es auf Futter gestreut
ist, das sie mögen. (Es hat einen säuerlichen Geschmack. Aber Katzen,
die vermutlich "süß" nicht schmecken können, stören sich normalerweise
nicht an "sauer").

Ihr TA kann Ihnen vermutlich bestätigen, ob er/sie nun daran glaubt
oder nicht, daß die Katze noch extra Taurin bekommen sollte, daß eine
extra Portion Taurin der Katze nicht schadet.


Hintergrund:

Ich habe seit etwas mehr als 3 Jahren eine Nothilfestation für
Siamkatzen.
Da die Interessenten fast immer Babies haben wollen oder "zumindest"
junge Katzen mit perfekter Gesundheit, bleiben die älteren Katzen und
jene mit chronischen Gesundheitsproblemen bei mir. Das Ergebnis ist,
daß ich ständig Veterinärthemen recherchiere.

Nachdem die Debatten darüber endlos waren, welches Premiumfutter nun
das beste ist, habe ich, um unsere Chancen das richtige zu füttern zu
erhöhen, hier eine Anzahl verschiedenster Premiumkatzenfuttersorten
aufgebaut. Ich fütterte kein Rohfutter und beachtete auch nicht die
Rezepte für selbstgemachtes Futter. Es ist doch so, die
Tierfutterfirmen geben Millionen für Nahrungsmittelforschung aus, da
werden doch die Ergebnisse mit einbezogen, oder?

Es bleibt aber die Tatsache zu berücksichtigen, daß viele Katzen mit
chronischen Gesundheitsproblemen, die nicht auf die traditionellen
Tierarztbehandlungen ansprechen, scheinbar "geheilt" werden, wenn zu
einer dieser hausgemachten Diäten gewechselt wird. Jedermann, der das
bezweifelt, möchte doch bitte eine der vielen Katzen-IBD-Gruppen
(inflammatory bowel disease) = Chronische Darmentzündung, einmal
besuchen.


Sissy: Taurinmangel trotz Premiumkatzenfutter, Alter 6 Jahre

Sissy und Opal,  Siamesen Schwestern, kamen zu mir vor ungefähr zwei
Jahren.
Die TA-Unterlagen besagten, daß sie 4 Jahre alt wären, kastriert und
beide (besonders Sissy) immer Probleme hatten mit häufigem Erbrechen.
Es waren keine Unterlagen über irgendwelche Untersuchungen des TA
dabei, was die Ursache des Erbrechens sein könnte.

Unser TA sagte, das chronische Erbrechen sei wahrscheinlich eine
Beweglichkeitsstörung des Verdauungssystems, die nicht ungewöhnlich
für Siamesen sei. Er empfahl, die Futterschüsseln höher zu stellen.
Das half nicht. Es gelang uns jedoch, das Gewicht der Katzen
einigermaßen zu halten und das bei scheinbar guter Gesundheit, obwohl
Sissy immer ein zu trockenes Fell hatte und extrem viele Haare verlor.

Vor ungefähr sechs Monaten begann Sissy schwer zu atmen. Es wurde ein
Herzschaden festgestellt, eine erweiterte Cardiomyopathie. Daraufhin
begann ich über Taurin zu recherchieren.

Bis dahin hatte ich das Thema "Taurin" immer als "sehr alte Neuigkeit"
abgetan. Wie jeder weiß, ist Taurinmangel bei Katzen seit den 70ern
kein Thema mehr, seit entdeckt wurde, daß eine nicht ausreichende
Taurinmenge Herzkrankheiten und Blindheit bei Katzen hervorruft. Und
wie auch jedermann weiß, begannen von da an alle namhaften
Katzenfutterhersteller ausreichend Taurin zuzusetzen.

Der TA, der Sissys Herzkrankheit diagnostizierte erklärte mir, daß aus
unbekannten Gründen manche Katzen (sogar die mit Premiumfutter)
trotzdem einen Taurinmangel haben. Eine Blutprobe wurde genommen, die
Flüssigkeit aus Sissys Brust herausgezogen, und sie bekam
Herzmedikamente. Da ein Taurinuntersuchungsergebnis Wochen dauert,
nicht Tage, haben wir auf Verdacht mit der Taurinsupplementierung
angefangen. Schließlich bestätigten die Laborergebnisse, daß sie
tatsächlich einen Taurinmangel hatte.

Zu meiner Überraschung hörte das Erbrechen von Sissy mit der
Taurinsupplementierung fast vollständig auf. Ich las daraufhin alle
Beipackzettel ihrer Herzmedikamente. Alle davon, wenn sie sich
überhaupt auf den Magen-Darmtrakt auswirkten, hatten als Nebenwirkung
eher Übelkeit zu erwarten. Die schieden also aus, denen war es nicht
zu verdanken, daß sie nicht mehr erbrechen mußte. Das ließ das Taurin
als Möglichkeit übrig.

Eine Suche im Netz brachte einen enormen Reichtum an Informationen die
mich erstaunten (die Highlights stehen unten). Daraufhin begann ich
mit der Taurinsupplementierung bei all meinen 18 Katzen.

Die meisten der Bande hier sind Siamesen oder teilweise Siam. Das
Alter liegt zwischen 13 Wochen bis zu 17 Jahren.
Von den 18 Katzen hatten 9 ein oder mehrere chronische
Gesundheitsprobleme: Chronisches Erbrechen (6), hoher Blutdruck (1),
ständig wiederkehrende Augenentzündungen (1), Stomatitis (1), Asthma
(1), generelles Jucken (2), überdurchschnittliches Haaren (4),
Herzkrankheit (1, Sissy), durch Parasiten ausgelöste Schwäche (1).

Das Ergebnis der Taurinsupplementierung für die 18 Katzen war:
Sissy und Opal bekamen bereits 250 mg Taurin zweimal täglich, und
Opals Kotzintervalle nahmen ebenfalls erheblich ab, nachdem sie Taurin
bekam.

Ich gab dann dem Rest der Bande 500 mg pro Katze einmal täglich
(Taurinpulver übers Dosenfutter gestreut, bis auf die, die kein
Dosenfutter fressen, die bekamen es in Pillenform). Zweimal täglich
wäre besser gewesen, da bin ich mir sicher, aber mein Zeitplan läßt es
nicht zu, 18 verschiedene Näpfe mit Dosenfutter täglich zweimal zu
bearbeiten.

Innerhalb weniger Tage hörte die Kotzerei fast auf (immer noch ein
bißchen, aber viel weniger.

Nach einer Woche:

1) Laptop, Nemo und Jordi (alle reine Siamesen) verloren erheblich
weniger Haare
 
2) (reine Siamesin) Sammy's Abhängigkeit von Prednisolone (Kortison)
für ihre Stomatitis wurde weniger, wenn auch auf keinen Fall
verschwunden

3) Es war mir möglich (nicht-Siamese) Gateway's Prednisolone für sein
Asthma von einmal täglich herabzusetzen auf einmal alle 10 Tage. (Ich
hatte das zuvor schon mal versucht, und seine Symptome kamen innerhalb
von 36 Stunden zurück.

4) Carlos, das (nicht-Siamese) von Parasiten geschwächte Kitten,
erholte sich enorm schnell. Selbstverständlich hatten wir die
Parasiten entfernt als er zu uns kam. Aber er hatte keinen Durchfall,
der normalerweise solche Kitten befällt.

Innerhalb von 2 Wochen wurde das extreme Jucken von Nemo und Laptop sehr viel besser, ihr Haarausfall nahm um ca. 75 % ab, und ihr Fell  fühlt sich gesund an. Zu meiner Überraschung fiel mir auch auf, daß
Laptops Nystagmus (unkontrollierte zuckende Augenbewegungen) erheblich
besser wurden.

Jordi's Bluthochdruck wurde noch nicht wieder gemessen, ich habe keine
Ahnung, ob das besser geworden ist. Ihr Haarausfall hat erheblich
abgenommen, und ihre Fellstruktur fühlt sich viel besser an.

SuzyQ's ständig wiederkehrende Augenentzündungen (vermutlich Herpes)  haben sich bisher noch nicht verbessert.

Sissy geht es absolut wunderbar mit ihrem Taurin und zwei Herzmedis.
Sie hat fast vollkommen aufgehört, Haare zu verlieren, und ihr Fell
fühlt sich zum ersten Mal gesund an.

Während ich das schreibe, ist es erst vier Monate her, daß ich mit der
Taurinsupplementierung bei meiner Bande angefangen habe, ich habe also
keinerlei Langzeitbeobachtung mitzuteilen.

Aber Gateway hat etwas an Gewicht verloren (er ist ziemlich dick).
Sein Beweglichkeit und Munterkeit hat sehr stark zugenommen, er spielt
jetzt sogar mit den Jüngsten wenn der Laserpointer oder die
Federbüschel hervorgeholt werden. Das gab es vorher nicht bei ihm. So
ist sein Gewichtsverlust vermutlich auf seine vermehrten Aktivitäten
zurückzuführen, nicht auf das Taurin direkt. Aber seine Beweglichkeit
ist mit Sicherheit darauf zurückzuführen, daß er kein Asthma mehr hat.
Zuvor lag er nur herum.


Highlights meiner Informationssammlung bis heute:


Verbesserungen bei Diabetes, Nierenerkrankungen, Asthma, chronische
Darmentzündungen, Jucken und Arthritis.

Der interessanteste und beste Artikel den ich gefunden habe:
"Timely Topics in Nutrition: The carnivore connection to nutrition in
cats," (Debra L. Zoran, DVM, PhD, DACVIM; JAVMA December 1, 2002,
Volume 221, No. 11)

http://www.catinfo.org/docs/zorans_article.pdf


Der wahrscheinlich nächstbeste Artikel den ich fand, zumindest in
vollständiger, aber trotzdem knapper Form, ist
"The Potential for Interventional Use of Antioxidants in Clinical
Disease" by Dr. E. Jean Harper, head of nutrition research at Waltham
pet food. 

Sie fand Beweise dafür, daß eine Taurin und/oder Vitamin E
Supplementierung Nutzen bringt bei Diabetes, Nierenleiden und Asthma.
Sie erwähnt ebenfalls Hepatitis, Colitis (eine Form von
Darmentzündung), atopische Dermatitis (allergische juckende
Hautentzündung) und Arthritis. Sie sagt aber, es gibt noch keine
ausreichenden Studien darüber, die das voll bestätigen.

Der Link zu dem Artikel:

http://www.walthamusa.com/articles/wf104har.pdf


Kurze Information über die Beziehung zwischen IBD und Aminosäuren,
einschließlich Taurin, bei Menschen:

CONTEMPORARY REVIEW OF THERAPEUTIC BENEFITS OF THE AMINO ACID TAURINE
[...] Treatment with taurine reverses the discomfort, added colon weight, and bouts of diarrhea. It is speculated that taurine ameliorates IBD by increasing the ability of the colon to defend against oxidative damage.

http://www.mgwater.com/taurine.shtml#gastro


Nachdem Menschen sogar, anders als Katzen, normalerweise selber in der
Lage sind, Taurin selbst herzustellen, und es trotzdem zusätzlich
benötigen, ist der Bedarf für Katzen sogar noch größer


Koreanische Studien über Taurin und IBD bei Ratten:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9635044

http://molpharm.aspetjournals.org/content/69/4/1405.full.pd


Diabetes:

Die Rolle von Taurin bei Diabetes und bei der Entwicklung von
diabetischen Problemen (bei Menschen)

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11747139


Mehr Infos und zahlreiche Links zu Taurin finden sich im Forum
http://gesundeskatzenleben.com/forum/index.php?topic=2583.0

 

« Letzte Änderung: 03. Februar 2011, 19:01:45 von GKL - Info »