Autor Thema: Was ist Blut? Eine nicht ganz ernstzunehmende Erklärung  (Gelesen 5407 mal)

Anonym

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Hallo,

jetzt erklär ich mal allgemein was zu der roten, pappigen Sosse Blut.

Erst mal: Man kann damit eine Riesensauerei veranstalten.
Nicht-"Tatort"-Guckern kann ich selbigen übrigens nur dringendst empfehlen,
denn dort lernt man, daß man Zeitungspapier unterlegen sollte, bevor man den
Gatten absticht. Und sollte doch was danebengehen, dann *nur* mit kaltem
Wasser einweichen, sonst geht's nimmer raus.

Also, denn.
"Erythros" ist altgriechisch und hat nix mit Eros zu tun, obwohl das auch
griechisch ist, aber was völlig anderes meint, denn erythros heißt "rot". Woraus
wir messerscharf schließen, dass Blut rot ist.

Rote Blutkörperchen heißen daher Erythrozyten. Ist doch logisch.  Ohne
Fremdsprachen geht gar nix mehr. Übrigens sehen die Erys
original aus wie Frisbee-Scheiben. Rund mit ner Delle drin - oder für die
Süddeutschen unter euch: wie Auszogne (Schmalznudeln).

Geboren werden sie im Knochenmark, der Geburtsvorgang heißt Erythropoese.
Ein Geburtshelfer ist das Hormon Erythropoetin, und das wird in den Nieren hergestellt.
Wenn die nicht mehr ausreichend funktionieren, dann gibt es ein ernstes Problem, das sich
"nicht-regenerative Anämie" nennt. Dann muss man Erythropoetin von außen zuführen.

Aber warum sind die Erys rot? Ganz einfach, sie enthalten ne Menge roten
Blutfarbstoff, der Hämoglobin heißt, und den brauchen sie für den
Sauerstofftransport. Denn das ist ihre Aufgabe, Sauerstoff aus der Lunge
abholen, durch den Körper sausen, ihn überall verteilen und dabei
gleichzeitig den Abfall einsammeln, das Kohlendioxid. Das schleppen sie
wieder mit bis zur Lunge, wo es ausgeatmet wird. Und so rennen sie Tag für
Tag, Nacht für Nacht, bis sie schlappmachen und aus Altersgründen den Löffel
abgeben.
Bei Katzen dauert das so durchschnittlich 70 Tage, die menschlichen und hündischen
dürfen ca. 120 Tage lang rumrennen, bevor auch sie sich verabschieden.

Nochmal zum Hämoglobin, dem Blutfarbstoff, ohne den die Erys das alles nicht
können. Es besteht zum überwiegenden Teil aus Eiweißmolekülen, den Globulinen,
nämlich 94 %. Und 6 % ist Häm. Häm heißt ganz einfach nur Blut und in diesem Fall
beherbergt jedes Häm Eisen, das ebenfalls dringend notwendig ist, damit es keine Anämie
gibt.
Also, Eiweiß mit einer Eisenverzierung. Wobei die Farbe von dem bissl Eisen
herkommt, das ist der Farbstoff.

Und jetzt gibt es noch etwas, den Hämatokrit. Das sind die festen Bestandteile
im Blut. Es besteht nämlich aus festen Bestandteilen (wozu aber auch noch
die weißen Blutkörperchen und die Thrombozyten gehören) und aus Flüssigkeit.
Die Verteilung bei der Katz ist ungefähr 30 bis 45 % feste Bestandteile =
Hämatokrit, der Rest ist Flüssigkeit.
Geht der Wert höher, dann heißt das, es ist nicht genug Flüssigkeit da, die
Soße ähm das Blut wird zu dickflüssig, daher weniger gut durchgängig, und wir bzw. die
Katze kriegt ein Problem. Blut ist sowieso schon ca. viermal dicker als Wasser.
Steigt jetzt der Hämatokrit, dann muß das Herz ordentlich malochen und
kriegt es trotzdem nur schwer hin, alle Blutgefäße und Organe zu
versorgen. Seht ihr vor eurem geistigen Auge, wie das Herz sich anstrengt?
Gar nicht gut, Leute, gar nicht gut.

Haben wir zuwenig Erythrozyten bzw. Hämoglobin bzw. Hämatokrit im Blut, dann nennt
man das eine Anämie und das bedeutet, es wird nicht mehr genügend Sauerstoff im
Körper verteilt, und auch nicht mehr genügend Kohlendioxid abtransportiert. Das ist jetzt
auch wieder nicht gut, genausowenig gut.

Erstmal wird man furchtbar müde, und wenn nichts unternommen wird, kann es sogar
tödlich werden. Also muss man die Ursache herausfinden, denn eine Anämie entsteht nicht
einfach mal so. Das ist keine Krankheit wie Mumps oder Keuchhusten, sondern das ist
immer nur die Folge einer Krankheit oder eines Mangels.

Jetzt geht also die Detektivarbeit los. Aber ich sag euch gleich, es gibt ne Menge
Verdächtiger, gar nicht so einfach den Täter zu finden. Manchmal ist es sogar nicht nur
einer, sondern eine ganze Bande, die sich zusammengetan hat.  Die Ärzte nennen das dann "Läuse und Flöhe".

Die einfachsten "Täter" sind Blutverlust (innere Blutungen, z.B. Magen/Darmtrakt), oder die
Kinderstube ist gestört, sprich, die Erythropoese im Knochenmark (evtl. durch
Medikamente, Viren, Gifte). Auch Ernährungsfehler oder Störungen im Verdauungstrakt
können eine Anämie auslösen. Vitamin B12 und B6 sind ganz wichtig zur Blutbildung.
Folsäure und Eisen sind auch ganz wichtig. Wenn z.B. eine bakterielle Infektion vorliegt,
kommt es zu einer Infektionsanämie, denn diese Luder lieben Eisen, sind so verrückt
danach wie unsereiner nach Eis oder anderen Leckereien. Aber der Körper zeigt diesen Biestern natürlich den Vogel und schließt das lecker Eisen erst mal weg in die Vorratskammern Leber und Milz. Erst wenn die Feinde hinüber sind, wird es wieder freigelassen und steht damit auch wieder der Blutbildung zur Verfügung.

Bei unserer Detektivarbeit greifen uns die Erythrozytenindizes MCV, MCH und MCHC ermittlungstechnisch unter
die Arme, sie sind sozusagen die Spurensicherung. Die beschreiben nämlich die
durchschnittliche Größe der einzelnen Erys und auch wieviel Hämoglobin so ein einzelner
Ery hat.

Dann gibt es noch hinterhältige feige Meuchelmörder wie Blutparasiten (Hämobartonellen) oder
Zwiebeln, Knoblauch usw. Auch zuwenig Phosphat verursacht eine Anämie, zuviel Zink oder andere Schwermetalle oder auch das eigene Immunsystem können die Übeltäter sein.


Text:   ©  Jeanette Bachmann




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« Letzte Änderung: 06. Juli 2011, 23:07:01 von Jeanette »